Interview mit Veranstaltervertreter Martin Wunderlich: "Triathlon wird sich verändern"

Interview mit Veranstaltervertreter Martin Wunderlich: "Triathlon wird sich verändern"

Interview mit Veranstaltervertreter Martin Wunderlich: “Triathlon wird sich verändern”

Seit 2016 arbeitet Martin Wunderlich ehrenamtlich als Veranstaltervertreter. Wir haben uns mit ihm über die anstehende Saison unterhalten, über die Herausforderungen des Amts und über den anstehenden Personalwechsel.

Als Veranstaltervertreter vertritt er die Interessen der Veranstalter im Präsidium des BTV. In normalen Jahren geht es dabei überwiegend um Gebühren, Verwaltungsabläufe, Schwierigkeiten im Rahmen von Veranstaltungsorganisation und -durchführung und Kommunikation mit Dachverbänden. Nicht überraschend, dass die Arbeit im vergangenen Jahr deutlich anders aussah: Gemeinsam mit weiteren Gremien wurde an Empfehlungen und Konzepten zum Umgang mit der Corona-Pandemie gearbeitet, um so Veranstaltern zumindest eine kleine Hilfestellung für eine mögliche Durchführung geben zu können. Und auch in diesem Jahr wird die Arbeit Martin Wunderlichs noch einmal anders als gewohnt aussehen.

Hallo Martin,
das letzte Jahr war für Veranstalter ein Einschneidendes und auch 2021 wird noch einmal Flexibilität und gegenseitiges Verständnis in höchstem Maße erfordern. Was verlangt die Situation Dir als Veranstaltervertreter ab und wie reagierst Du darauf?

Als Veranstaltervertreter kommt mir überwiegend eine kommunikative Rolle zu. Ich leite einerseits die Informationen aus übergeordneten Gremien weiter und gebe andererseits das Feedback der Veranstalter zurück.
In diesem Jahr wird sicherlich die Saisonplanung eine große Herausforderung werden, denn es wird zu stärkeren Überschneidungen bei den Wettkampfterminen kommen. Viele Veranstalter haben ihre Termine auf vermeintlich durchführungssichere Termine verschoben. Obwohl bislang erst ca. ¾ der Veranstaltungen angemeldet sind, lässt sich das jetzt bereits erkennen: Alleine im Juni und Juli haben wir bereits 37 Veranstaltungen an 8 Wochenenden. Leider überschneiden sich derzeit auch die Bayerischen Meisterschaften der Altersklassen auf der Kurz- und Mitteldistanz.
Unsere Sorge ist, dass Athleten darauf mit Missmut reagieren, aber auch, dass nicht ausreichend Kampfrichter für die zeitgleich stattfindenden Veranstaltungen da sein könnten. Wir hoffen auf Verständnis der Athletinnen und Athleten. Wir haben auf die Terminwahl der Veranstalter keinen Einfluss und wissen auch, dass sich Organisatoren nach zahlreichen Vorgaben von behördlicher oder rein praktischer und organisatorischer Seite richten müssen. Damit ist die Auswahl des Termins oft sehr begrenzt.

Auch 2021 wird ein herausforderndes Jahr werden und ohne Hygienekonzepte wird es nicht gehen. Ich bin daher jedem Veranstalter und deren Teams dankbar, die sich den finanziellen, organisatorischen und gesundheitlichen Risiken aussetzen.

Trotz der erarbeiteten Leitfäden und Hilfestellungen wird die nahende Saison absehbare Herausforderungen mit sich bringen. Welche sind dies aus Deiner Sicht?

Für mich stechen zwei Punkte besonders hervor:

  1. Einerseits die nach wie vor unklare Lage, was ab wann erlaubt sein wird. Ebenso wie im vergangenen Jahr sind noch keine langfristigen Planungen möglich, da es keine konkreten Aussagen der Behörden gibt. Deshalb wird es wieder zu kurzfristigen Absagen oder Verschiebungen kommen. Flexibilität, Verständnis und Zusammenhalt wird gefragt sein.
  2. Für die Veranstalter stellt die Lenkung der Zuschauerströme ein großes Problem dar. Hier wird mit Unterstützung des DOSB/der DTU und großen Veranstaltern an Konzepten gearbeitet, um einen möglichst guten Schutz und eine Nachverfolgbarkeit zu gewährleisten. Ein Großteil unserer Veranstaltungen finden nunmal im öffentlichen Raum statt und nicht in klar umrissenen Wettkampfstätten wie z.B. in Stadien.

Mit dem Blick auf hoffentlich bald wiederkehrende Normalität: Welche Initiativen oder Projekte sollen in Sachen Verband und Veranstaltungen mittelfristig auf den Weg gebracht und umgesetzt werden?

Der Ausblick auf ein Rennen; Foto: Martin Wunderlich

Die DTU erarbeitet derzeit ein Veranstalterhandbuch, zu dem wir Ideen und Anregungen beigetragen haben und an dem Stefan Pohl aktiv mitarbeitet.

Auch die über lange Zeit angestrebte Überarbeitung der Gebührenordnung soll bald abgeschlossen werden. Mit den Anpassungen möchten wir eine bessere Planungssicherheit und einfacheren Ablauf für Veranstalter erreichen.

Im Rahmen einer Initiative zur Kampfrichtereinsatzplanung soll ein Tool geschaffen werden, mit dem bezirksübergreifende Einsätze besser koordiniert werden können. Bisher kamen Kampfrichter überwiegend aus dem Veranstaltungsbezirk. Insbesondere bei grenznahen Bezirken wird das Tool Fahrtkilometer und -kosten reduzieren. Insgesamt soll im Rahmen von Veranstaltungen mehr auf Themen der Zeit wie Nachhaltigkeit und Familienfreundlichkeit eingegangen werden.

Wagst du einen Ausblick in die Zukunft des Triathlon?

Ich denke, unser Sport wird vielseitiger werden. Es gibt bereits tolle Teamformate, die den Breitensport ansprechen (wie den 10 Freunde Triathlon), neue Staffelformate (wie die Team-Relay) und auch neue Wettkampfformen (wie Swim-Runs). Triathlon wird also mehr sein als nur individuell schwimmen, radfahren und laufen, wobei dies immer die Kernelemente bleiben werden.
Die Langdistanz wird sicher als große Herausforderung unverändert bleiben. Doch was passiert auf den kürzeren Strecken? Wird das Windschattenverbot der Standard bleiben oder die Ausnahme werden und so kürzere Radrunden und höhere Teilnehmerzahlen ermöglichen? Es wird schwieriger große Radrunden genehmigt zu bekommen, darauf werden wir reagieren müssen – nur ein Beispiel von vielen Faktoren, die den Sport beeinflussen.

Martin Wunderlich gibt das Amt des Veranstaltervertreters ab

All das wirst nicht mehr Du persönlich in Angriff nehmen. Du hast im Vergangenen Jahr erklärt, das du nicht mehr zu Wiederwahl antrittst. Auf welche Momente blickst Du zurück und was würdest Du Dir für die Zukunft erhoffen?

Einzelne Momente möchte ich gar nicht herausstellen – es ist das Gesamtpaket. Der Blick hinter die Kulissen von Veranstaltungen und Verbandsbetrieb, die Gespräche mit neuen, engagierten Veranstaltern und dass ich meinem Freundes- und Bekanntenkreis wieder einige Personen hinzufügen konnte.

Für die Zukunft erhoffe ich mir mehr Gelassenheit, nicht nur für mich, sondern für alle. Von ca. 11.500 Mitgliedern in den Triathlonvereinen sind nur ein Bruchteil wirtschaftlich vom Sport abhängig . Warum also über neue Regeln, eine zu kleine Bademütze oder eine Verbandsabgabe im Wert eins Müsliriegels aufregen?

Ein abgewandeltes Zitat einer bekannten Sportpersönlichkeit trifft es ganz gut:

Geht's raus und habt Spaß!

 

© Text: Christine Waitz; [08.02.2021]; Fotos: Martin Wunderlich

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